09. Oktober - 11. Oktober

 

Schon im Vorfeld dieser Veranstaltung traten die ersten Probleme auf.
Gian Marco musste schon vor längerer Zeit Forfait geben, da in seiner Firma Umstrukturierungen seine Anwesenheit erforderte. Kurz vor dem Anlass machte Frenky’s Arbeitgeber unserem Junior ebenfalls einen Strich durch die Rechnung. Vor Freitagabend konnte Frenky seine Reise in den Süden nicht antreten.

So blieb ein Rumpfteam bestehend aus Lala, Reto und Walter übrig. Auch Wale musste mit dem Schlimmsten rechnen, da ein grosser Auftrag nicht so lief wie er sollte. Kann er, wie die Anderen beiden, schon am Donnerstagmittag aufbrechen oder wird es Abend?
Womit das nächste Problem zu Tage trat. Wie sollen 3 Motorräder, persönliches Material, Werkzeugrolly, Pneus, Ständer, Tische, Zelte, Kücheneinrichtung, Brotbackmaschine, Kabelrollen, Benzinkanister und 1'000 weitere Kleinigkeiten transportiert werden? Die Infrastruktur des Senior Race Team’s nimmt langsam gigantische Ausmasse an. Mit dem Yellow-Point-Merc und Gian Marcos Toyota (ein Raumwunder) konnte in einer strategisch durchdachten Übung alles verstaut und abfahrbereit gemacht werden. Glücklicherweise konnte auch Wale, sein Geschäftskollege hatte seine Ferien abgebrochen, nach einem Zwischenstopp in Baar die Reise in den Süden zusammen mit Lala und Reto starten.

Im McDonald Coldrerio, dem üblichen Marschhalt für alle südwärts reisenden Schweizer, war Treffpunkt. Nach dem Verzehr des ungeliebten Burgers ging es Richtung Grenze. Die übliche Frage nach dem Nummerschild mit entsprechendem Ausweis konnte sich auch dieses Mal der italienische Zöllner nicht verkneifen. So viel zum freien Waren- und Personenverkehr. Trotz eindeutigem EU-Recht scheren sich die Italiener einen Deut darum. Ein echtes Ärgernis das mal geregelt werden müsste.

Danach ging, abgesehen von einigen kleineren Staus, die restliche Reise problemlos nach Cattolica zum Misano World Circuit. Einfach jedes Mal ein Erlebnis die Meeresluft bei 25 Grad um 22:00 Uhr abends einzuatmen. Ferien!

Nach einer kurzen Besprechung, Thema Zeltaufbau (Schlauch oder Winkelanordnung) wurde die Senior Race Team Hospitality aufgestellt. Nach einem schönen, kühlen Bier kuschelten sich die Teilnehmer in die Büsschen und frönten, in freudiger Erwartung des ersten Raceday, der verdienten Nachtruhe.

Die SRT Hospitality

Day 1

Wie jedes Mal weckten ein schöner Kaffee aus der Maschine und frisches Brot die Lebensgeister. Jeder machte sich zum ersten Ausritt des Tages bereit. Superschönes Wetter mit weit über 20 Grad liessen auf einen tollen Tag schliessen. Freies Fahren war angesagt. Raptor und Wale machten sich daran die Piste wieder kennenzulernen. Lala liess es wie immer etwas gemächlicher angehen. Ging raus und haute schon nach kurzem Einfahren eine 2.04 auf den Laptimer. Schneller als die beste Zeit im letzten Jahr. Danach ging es in Gruppen weiter. Die beiden R1 Piloten bei den Schnellsten, Lala eine Gruppe darunter.
Was jetzt folgte gehörte schon in die Kategorie Super Gau.

O-Ton Lala: „Ich merkte schon beim Herausbeschleunigen aus der Kurve Richtung Curvone das etwas nicht stimmte. Die Drehzahl brachte ich nicht über 12'000 und null Leistung. Ein kurzes „Krosen“ das immer lauter wurde und schon war der Ofen ganz aus!“ Mit einem Streckenfahrzeug wurde der „Yellow Fighter“ mit samt des Piloten zurück gebracht. Ungläubiges Staunen. Ein kapitaler Motorschaden nach 4 Runden!!! Für Lala war somit das Wochenende rennmässig gelaufen. Eine R1 wollte er partout nicht fahren, so konnte sich unser Chef ganz dem Relaxen und den Hausarbeiten hingeben. Dass ihm Zeit blieb die fantastischen Fotos auf dieser Seite und in der Galerie zu schiessen könnte als Pluspunkt gewertet werden. Er hat die Situation äusserlich sehr gelassen hingenommen. Wir aber haben gespürt, dass er am liebsten losgeheult hätte.
(Ich hätte es getan! Anm. d. Red.)

Einsam und verlassen

Na ja, das Leben ging weiter. Raptor und Wale spulten den ganzen Tag ihre Runden ohne Probleme ab. Mal abgesehen vom Flüssigkeitsverlust. Es war warm und extrem feucht. Der Schweiss lief nach jedem Turn bis in die Stiefel. Dieser Tatsache wurde nach dem letzten Ausritt Tribut gezollt. So machte sich das Team auf in die Boxen-Garten-Wirtschi wo mit 2 grossen Foster-Lager pro Mann dem Flüssigkeitsverlust Einhalt geboten wurde.

Der Kummer war vergessen und in leicht beflügelter Stimmung das Abendessen zubereitet. Dass in der Dusche nur noch kaltes Wasser lief wurde nur marginal vermerkt. Nach dem wunderbaren Grill wurden die Maschinen gecheckt und die Hospitality überprüft. Das Wetter hatte umgeschlagen und innert kürzester Zeit wurde aus dem lauschigen Sommerabend eine verregnete, mit Blitz und Donner vermischte Angelegenheit. Es war aber alles mehr oder weniger dicht und so begann das Warten auf Frenky. Kommt er oder kommt er nicht? Anrufe wurden nicht beantwortet, so haben sich die 3 Musketiere in die Schlafwagons verzogen.

Viel Platz zum fahren

Day 2

Der erste Blick an diesem Morgen war gen Himmel. Es war wie ein Wunder. Praktisch keine Wolken, kein Regen und immer noch angenehme Temperaturen. Yahoo-IPhone-Meteo hatte Regen für Samstag und Sonntag vorausgesagt. Das Ding kann man spülen! Wir vermuten, dass Yahoo die Prognosen mit würfeln ermittelt.

Frenky hatte seinen Vater Fortunato als Chauffeur dabei. So war er trotz seiner Ankunft um ca. 04:00 Uhr einigermassen fit. Der Töff wurde ausgeladen und umgehend starklar gemacht. Nichts konnte ihn daran hindern umgehend auf die Piste zu gehen. Obwohl der Track noch an einzelnen Stellen feucht war kreiste er Runde um Runde um den Kurs. Wale und Raptor hielten es auch nicht mehr aus und sattelten schnellstmöglich die Gäule.

Frenky ganz konzentriert

Auf zum Vorstart direkt in die Hände des italienischen Sheriffs. „NON BUONO!“ kommentierte dieser die Reifenwahl. Slicks schienen dem Herrn nicht die geeignete Variante zu sein. Wahrscheinlich wollte er seine Kollegen an der Strecke vor übermässiger Arbeit schützen. Die hatten das ganze Wochenende einiges zu tun um die etwas Übereifrigen einzusammeln. Also zurück zum Fahrerlager. 15 Minuten warten und ein neuer Versuch. „NON BUONO!“, der Typ hatte einen Sprung in der Schüssel. Auf was wollte der warten? Nochmal 15 Minuten, dann hatte der liebe Gott am Streckeneingang ein Einsehen und liess die Beiden endlich auf die Strecke.

Raptor und Wale ebenfalls hochkonzentriert

Nach dem Mittag ging es zum Qualifying. Immer eine spannende Sache. Da pumpt das Adrenalin durch die Blutbahnen. Jeder gibt sein Bestes und es ist wie im richtigen Racing.

Zu viel Verkehr, keine freie Runde und ein plötzlich einsetzender Regenguss verhinderte wirklich gute Zeiten. Es entstand einige Unruhe im Fahrerlager. Man einigte sich darauf die Zeiten des Freitags als Massstab zu nehmen. Das Niveau war beträchtlich hoch, so schafften es Reto und Wale gerade mal in die Kategorie „Best of the Rest“. Na ja, wir sind ja zum Spass hier und so liessen es die beiden krachen. Wale 15ter, Raptor 8ter war dann die Ausbeute. Trotzdem waren alle happy (fast alle) und das Ferierabendbier an der bekannten Bar war wiederum ausgezeichnet. Die kalte Dusche wurde schon erwähnt und dann ging es zu einem weiteren Höhepunkt dieses Anlasses. Abendessen in Tavullia, der Heimat unseres Idols Vale. Das ganze Dorf war Gelb und mit der Nummer 46 geschmückt. Hier spürte man die Begeisterung der Bevölkerung für den Motorsport zum Einen und für Vale im Besonderen. Vor allem Frenky war sichtlich beeindruckt so nah an seinem Held zu sein. Der Dorfplatz war geschmückt mit der aus dem Fernsehen bekannten Flagge zu Vale’s 100tem WM-Sieg. Echt ein Erlebnis. Ebenso das feine Essen das wir uns in einem nahen Restaurant genehmigt haben. Nach kurzer Fahrt zurück ging es schon bald in die Heia und den Schlaf konnte auch die Hochzeit im nahe gelegenen Restaurant nicht verhindern.

Tavullia, Home of Valentino Rossi

Day 3

Wieder bei besten äusseren Bedingungen wurde der dritte Tag in Angriff genommen. Die „Crazy old men“ wurden an den Start zu einer Vergleichsfahrt gebeten. Rennen gibt es so in Italien ja nicht. Das Starterfeld wird am Vorstart aufgestellt und mit einem Hasen auf die Strecke geschickt. Nach 2 Einführungsrunden geht die wilde Hatz los oder besser sollte losgehen. Leider hat es aber einer fertiggebracht sich schon in der Aufwärmrunde auf die Nase zu legen. Bei einem Sturz in Runde 2 wurde abgebrochen und nochmals verkürzt gestartet. Alles in allem ein interessantes Rennen. Eigentlich war Wale nur 2. Ersatz dieses 48 Mann starken Feldes aber der Veranstalter drückte bei den Rennen jeweils ein Auge zu, so dass sich auch unser Raptor auf die Strecke schleichen konnte. Irgendwer hat dann gemerkt, dass dem Raptor noch ein par Jahre zum „Crazy old men“ fehlen und wurde nicht gewertet. Wale konnte sich bis auf Platz 23 verbessern. Es macht einfach Spass sich auf der Strecke mit so wenigen Fahrern zu bewegen. Die anstehenden Siegerehrungen und die befohlene Mittagsruhe liessen Zeit schon mal die Hospitality abzubrechen und wo möglich schon zu verladen. Wir mussten ja an diesem Tag noch irgendwie und irgendwann nach Hause kommen.

Ein letzter Turn ohne Druck und am Anfang ohne Verkehr liess das Motorrad Herz nochmals höher schlagen. Frenky verbesserte seine Zeit auf eine super 1:56. Da ist ein neuer Stern am Aufgehen. Kurz darauf wurde die Strecke von irgendwelchen einheimischen Töfffahrern gestürmt. Der Veranstalter verdient sich damit wohl ein Zubrot. Was sich da auf der Piste tummelt geht auf keine Kuhhaut. Uralt Honda CB 750, Tourentöffs und andere Kamikazes fahren als gebe es kein Morgen. Die Geschwindigkeitsunterschiede sind so gross, dass eigentlich nur die Flucht ins Fahrerlager übrig bleibt. Bleibt zu bemerken, dass ca. 20% weniger Fahrer an dieser Veranstaltung wie gewohnt waren. Es scheint, dass die Krise vor allem unseren nördlichen Nachbarn zusetzt. Die deutschen FahrerInnen waren an einer Hand abzuzählen. Das Feld bestand praktisch nur aus Italiener und Schweizer, es war aber trotzdem eine gelöste und friedliche Stimmung an dieser Veranstaltung.

Misano mit den Telemetriedaten aus Wale's GPS

Die Heimreise wurde von den Meisten wehmütig unter die Räder genommen. Das Navi meldete eine Ankunftszeit um 22:00 Uhr.

Dass es Montagmorgen 03:00 Uhr wurde ist eine eigene, seitenfüllende Geschichte. Deshalb nur in Kürze.

Noch 60 Kilometer bis Mailand.

Mayday, mayday, Mercedes Viano heavy, Flight I to CH. we have a problem!

Keine Anzeige, keine Motorleistung, nur mit letzter Kraft rettet sich Team Kündig im Luxus Camion auf die Autobahnraststätte. Totalausfall der Elektronik. Mit vereinten Kräften gelingt es auf der Mobility-Service-Center-Nummer einen freundlichen Herrn zu erreichen der sofort alles unternimmt den Havaristen zu helfen. 90 Minuten später erscheinen die verheißungsvollen Retter. Laptop angehängt kurz wichtig herumgeschaut und festgestellt, dass die Elektronik hinüber ist. Tolle Leistung, währen wir nie drauf gekommen! Nun ging es daran die Havarie abzuschleppen, was im wohl organisierten Italien nur die gelben ACI-Jungs dürfen. Natürlich war der Chauffeur bei Mama am Pasta verzehren, so ging es weitere gefühlte 2 Stunden bis der Wagen am Haken war.

Auch der nette Herr in der Mercedes-Vertretung tat sein Bestes. Die Details wie zum Beispiel der schöne neue A-Klasse 1.5 Liter Merc?! wieder zurück kommen soll liess den Vertreter vor Angst erzittern. Ist ja verständlich. Könnte ja jeder kommen und seinen 3-Liter Viano mit 2 neuen Motorrädern und allem Schnick-Schnack stehen lassen und sich das A-Klasse Fahrzeug unter den Nagel reissen! 22:00 Uhr war dann alles für die Weiterreise geregelt.

Dass das Leihfahrzeug abgefahrene Pneus drauf hatte, die jedem Polizisten die Zornesröte ins Gesicht getrieben hätte sei nur am Rande erwähnt. Die Italia-Fraktion hat sich schon vorgängig auf den Heimweg begeben, so beendeten die 3 Musketiere gemeinsam ihr Misano-Abenteuer in der Yellow-Point-Garage beim Abladen des Materials morgens um Drei.

Wir freuen uns nun auf das Saisonfinale in Mugello. Wir sind gespannt mit welchen Geschichten dieser Anlass aufwarten kann.

Text, Wale

Bilder, Lala

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